Re: Roter Salon

Hallo kreuzer, hallo Roter Salon,

wir, die wohnungspolitische Stadtteilinitiative „Vernetzung Süd“,

möchten auf das Interview in der kreuzer-Ausgabe 01/22 ganz ungefragt antworten:

Mit seinem Rundumschlag gegen linke Politik und Initiativen in Leipzig delegitimiert der Rote Salon auch unsere Arbeit als Stadtteilvernetzung. Wir fragen uns: Aus Unkenntnis oder motiviert. In jedem Fall wollen wir das behauptete nicht unwidersprochen lassen.

Stadtteilgespräch

Zunächst zum abgesagten Stadtteilgespräch: Es gab im Herbst 2020 gute politische Gründe, weshalb wir und andere die Einladung des OBM Jung zum Stadtteilgespräch ausschlugen. Nachlesbar ist das in den zwei Offenen Briefen (28.09. & 02.11.2020), die dazu veröffentlicht wurden – u.a. gab es Argumente gegen die Einladungspolitik seitens der Stadt, als auch eine Kritik am intransparenten Zustandekommen und exklusiven Format dieses schnell einberufenen „Stadtteilgesprächs“. Wir wollten in erster Linie mitbestimmen, unter welchen Konditionen dieses Gespräch stattfindet, eine Absage per se war

es niemals gewesen – wie auch die folgenden Entwicklungen (u.a. Zusammenarbeit mit dem Stadtbezirksbeirat Süd in der Sache) zeigen. Der „Rote Salon“ verdreht die Tatsachen, ja er verbreitet Unwahrheiten.

Schlimmer wird es, wenn die Sprecher behaupten, dass es in Connewitz oder in der Südvorstadt keine politische Bündnis- und Netzwerkarbeit in Sachen Wohnungspolitik gäbe. Da fragen wir: Wo wart Ihr in den letzten 15 Jahren? Habt Ihr nicht die Gründung des Netzwerk Leipzig – Stadt für alle mitbekommen, oder direkt um die Ecke die Aktivitäten der Vernetzung Süd? Wir sind seit 4 Jahren am Start, organisieren Mieter*innen und Protest gegen Entmietungen und Mieterhöhungen, wir dokumentieren die teuren

Neubauten als auch die Verdrängungen im Stadtteil und stellen konkrete politische Forderungen, an die Stadt und z.B. die LWB als kommunales Wohnungsunternehmen. Dabei treten und traten wir auch immer wieder in Kontakt mit der Verwaltung.

Wenn der Roter Salon in dem Interview außerdem von der „Gentrifizierung“ als einem „Lauf der Dinge“ spricht, ist das nicht nur kontrapoduktiv für eine politische Arbeit, die darauf baut, dass Menschen besser verstehen sollen, dass die immer wieder ähnlich ablaufenden Verwertungsprozesse in den Städten, tatsächlich veränderbar sind! Es ist darüber hinaus auch falsch, denn kapitalistisch motivierte Aufwertung und Verdrängung von Menschen sind nicht naturgegeben. Aber dass Kapitalismuskritik zu linker Politik gehört, das hat der Rote Salon scheinbar sowieso nicht (mehr?) auf dem Schirm.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass die, die vor der Mietaufwärtsspirale und dem Ausverkauf der Stadt schon vor 15 Jahren gewarnt haben, zunächst belächelt wurden, ihre Auffassung und ihre Kämpfe aber sukzessive zu einer Veränderung der Stadtpolitik führten. Das heißt nicht, dass alles gut ist. Im Gegenteil: Es braucht den Druck der Betroffenen und der Netzwerke für ein Wohnen als Gemeingut sowie für eine Stadt als Raum ihrer Bewohner*innen – und nicht von Investor*innen!

Leipzig-Connewitz, 10.01.2022

Kontakt: vernetzung-sued@protonmail.com

Foto von Rene Asmussen von Pexels

Quellen:

Kreuzer. Leipzig. Subjektiv. Selektiv. | Ausgabe 0122 | Seite 24f

Vernetzung Süd – offenen Treffen

Unsere offenen Treffen – jew. Di. 19-21 Uhr, in ungeraden Wochen –
finden derzeit immer online statt.
Nehmt bei Problemen, Fragen und Ideen aber gern weiter mit uns Kontakt
auf: vernetzung-sued@protonmail.com
Viele Grüße, schöne Feiertage und bleibt gesund.

Eure Vernetzung Süd …zu Wohnen, Miete und Stadt

Fest der Nachbarschaften

Am 25. September veranstalten verschiedene wohnungspolitische Initiativen aus Leipzig erstmalig das Fest der Nachbarschaften. Es findet zwischen 14 und 18 Uhr auf dem Alexis-Schumann-Platz in der Südvorstadt statt. Das Fest ist eine Anlaufstelle für Mieter*innen, die sich mit ihrer bedrängten Wohnsituation nicht länger abfinden wollen. Und nach Austausch und Vernetzung suchen. Es ist darüber hinaus ein Signal an Immobilienwirtschaft und Politik, dass eine grundsätzliche Wende in der Wohnraumversorgung notwendig ist.

Wie in anderen Großstädten spitzt sich auch in Leipzig die Lage am Wohnungsmarkt zu. Das fängt bei der Miete an, die regelmäßig erhöht wird. Ohne dass sich die Wohnqualität verbessert. Es geht weiter mit der Mietbelastungsquote, die im Durchschnitt bei 30 % und bei unteren Einkommensgruppen bis zu 46 % beträgt. Es endet bei der Verdrängung von Mieter*innen aus den Quartieren. Die in wenigen Fällen öffentlich wird, häufig aber unsichtbar bleibt, wie bei den vielen Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen. Zum Auszug getrieben, finden die Betroffenen in ihren Wohngegenden keine bezahlbaren Angebote. Es wird zu wenig gebaut und zu teuer.

Konzerne und kommunale Eigentümer

Selbst öffentlich geförderte Wohnungen sind mit einer Miete von 6,50 € und einer 15-jährigen Belegungsbindung keine Alternative. Zumal sie ohnehin nur für jene infrage kommen, die sich am Markt nicht selbst versorgen können. Mit Wohnen als öffentliches Gut hat das aber nichts zu tun. Wohnungskonzerne wie Vonovia und Deutsche Wohnen gewinnen immer mehr Einfluss. An den Kapitalmärkten sind sie auf die Steigerung der Dividende angewiesen, Leidtragende sind die Mieter*innen. Aber auch kommunale Eigentümer sind nicht in jedem Fall gemeinwohlorientierte Unternehmen. Wie die LWB bewiesen hat, als sie während der Pandemie die Mieten im Musikviertel erhöhte.

Diese Entwicklung wird politisch nur zaghaft gebremst. Eine echte Trendwende für eine marktferne Wohnraumversorgung ist nicht erkennbar. Das wirft die Frage nach Demokratie auf: Wer entscheidet eigentlich darüber, was in der Stadt passiert? Wie werden die Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Menschen, die hier wohnen politisch abgebildet? Mit dem Fest der Nachbarschaften, in dessen Zentrum eine offene Versammlung von Mieter*innen steht, soll eine Debatte darüber angestoßen werden, wie wir in der Stadt gemeinsam leben wollen und wie wir unseren Vorstellungen Kraft verleihen können.

Über die Veranstalter


Das Fest der Nachbarschaften wird von verschiedenen Leipziger Initiativen ausgerichtet, die sich für eine soziale Wohnraumversorgung und eine gemeinwohlorientierte Wohnungswirtschaft einsetzen. Wir beraten Mieter*innen, organisieren Protest, entwickeln politische Forderungen und machen Vorschläge für eine alternative Wohnungspolitik.

Die beteiligten Initiativen sind

  • IG Kantstraße
  • Leipzig für alle: Aktionsbündnis Wohnen
  • Mietergemeinschaft Schönefelder Höfe
  • Nachbarschaftsinitiative Musikviertel
  • Netzwerk – Leipzig Stadt für alle
  • Solidaritätsnetzwerk Leipzig
  • Vernetzung Süd – Stadtteilinitiative aus Connewitz & Südvorstadt
  • Wohnprojekt Thierbacher Straße 6
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Take it back ! Wem gehört Connewitz?

Freitag, 17.9., 18-21 Uhr, Galerie KUB, Kantstr. 18:

Die Veranstaltung ist der erste Teil einer dreiteiligen Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Take it back! Mieter*innenversammlung“.

Drei Mieter*innenversammlungen, initiiert und organisiert von der Stadtteilinitiative Vernetzung Süd. Finanziell unterstützt aus Mitteln des Stadtbezirksbudgets der Stadt Leipzig.

Zusammen mit den Mitarbeiter*innen des Instituts für Geographie (Uni Leipzig) wollen wir erste Ergebnisse ihrer Studie „Wem gehört Connewitz?“ vorstellen. Und anschließend an Kartentischen mit Euch ins Gespräch komm

Inhalt der Veranstaltung

Connewitz ist immer schneller im Wandel. Baulücken (Miniapartments Wiedebachplatz, Black Label Freifläche, Neubau ggü. Hildebrandplatz u.v.m.) werden geschlossen. Eine frei zugängliche Parkanlage (Leopoldpark) wird in ein Areal von teuren Wohnungen umgewandelt. Wohnhäuser werden von Privatvermieterinnen an Wohnungsunternehmen weiterverkauft (z.B. in Dölitzer Str.).

Oder energetisch modernisiert, um die Miete um ein Vielfaches zu erhöhen (z.B. Thierbacher Str. 6). Bezahlbarer Wohnraum auf dem freien Wohnungsmarkt ist kaum mehr zu finden. Selbst bei Gewerbeflächen (Frau Krause, Atacolypse, Lazy Dog) ist ein Verdrängungsdomino zu beobachten. Wem also gehört Connewitz? Wer sind die Protagonistinnen, die von diesem Wandel profitieren und ihn vorantreiben? Und was können wir Anwohner*innen dabei tun?

Zusammen mit den Mitarbeiter*innen des Instituts für Geographie (Uni Leipzig) wollen wir erste Ergebnisse ihrer Studie „Wem gehört Connewitz?“ vorstellen und anschließend an Kartentischen mit Euch ins Gespräch kommen.

Teilnahmebedingung: 3-G-Regel (geimpft, genesen, offiziell getestet) und mit Maske, bitte!

Zur Veranstaltungsreihe:


2020 wollten wir eine Stadtteilversammlung in Connewitz organisieren. Corona-bedingt musste diese Idee geschoben werden. Jetzt wollen wir die Chance ergreifen und diese Versammlung dezentral in Form von drei Veranstaltungen durchführen. Titel: „Take it back! – drei Mieter*innenversammlungen“. Im Zentrum stehen Fragen der Stadtteilentwicklung und des Wohnens. Sich vernetzen und Möglichkeiten der Intervention diskutieren – das wollen wir mit diesen drei Veranstaltungen!

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